Thailand ist wie Party, Myanmar wie Gartenarbeit

Illegales Einreisen wäre in der Hafenstadt Kawthaung ein Leichtes. Das Longtail-Boot legte an einem der Stege an, die direkt zur Hafenstraße führte. Keine Grenze, keine Kontrolle.

 

Das Spiel lief so: Der Grenzübergang ist beliebt für Visa-Runs für thailändische Visa. Daher hatten die meisten Ankommenden ein Interesse, sich um den Einreisestempel beim Immigration Office zu bemühen. Die Sache regulierte sich von alleine. Niemand wollte  illegal nach Burma einreisen.

 

Zwei Uhren an der Wand des Immigration Office verdeutlichten , dass sich Thailand und Myanmar nicht in der gleichen Zeitzone befinden. Wenn der Wecker der Thailänder schrillte, waren die Burmesen bereits eine halbe Stunde wach. Eine halbe Stunde Zeitverschiebung? Ja, das gibt es (Auch andernorts; Das erste Mal hatte ich das bei der Einreise in den Iran erlebt).

 

Ein Mann, der vernünftiges Englisch sprach, aber offensichtlich nicht zur Einwanderungsbehörde gehörte, übersetzte und gab uns Tipps zu allerlei Dingen. Das erweckte Argwohn in uns (jeder kennt diese «Friends»). Später mussten Formulare kopiert werden, wozu er meine Freundin zum Kopierladen lotste. Er bot gar an, die Kopie zu bezahlen. Der Mann verabschiedete sich später ohne eine hohle Hand zu machen oder uns zum Cousin, der per Zufall Hoteleigentümer war, zu führen. Der Mann war bloss nett. Auch das gibt es (und in Myanmar sogar sehr oft, wie wir später noch feststellen würden).

 

Meine ersten Eindrücke von Myanmar bestanden aus seltsamen, durchaus angenehmen Gefühlen. Myanmar schien «dichter» als Thailand. Kompakter. Mehr relevante Dinge füllten den Raum. Thailand war quirlig, lebendig, Myanmar ernster, die Leute ruhiger. Es war, wie wenn man eine Party mit einem Tag Gartenarbeit verglich. Beides hatte seinen Reiz, doch letzteres hatte mehr Gehalt, mehr Nachhaltigkeit. Ich wusste nicht, ob dies ein repräsentativer Eindruck des Landes war. Aber er gefiel mir.

 

Viele der Gebäude dieses Ortes waren aus Holz gefertigt, die von Schrägdächer aus Wellblech überdacht waren. Es waren solide, zweistöckige Wohnhäuser, oft waren mit schlichten Verzierungen und Veranda versehen.

 

Schlichtheit war etwas, das auffiel. In anderen asiatischen Ländern schreien einem die Farben ins Gesicht. Die Hauseigentümer begnügten sich hier allerdings mit einer einzigen Farbe. Auch das ließ den Ort ruhiger erscheinen. Man nehme eine schwedische Holzhaussiedlung und verlege sie nach Asien. Das war Kawthaung.