Verwirf' bloss nicht

"Es ist besser, wenn du ... ", sein Freund hielt kurz inne und zielte, "... den Schritt machst und diese Dinge lernst. Es wird dir später mehr nützen".
Die angebrochene Dämmerung drohte, den Korb zu veschlucken. Ein feuerroter Riss teilte den Horizont.
Die Aussage seines Freundes irritierte ihn, wie schon zuvor. Doch er begriff nicht, warum. Die Aussage entsprach der Wahrheit: Wenn er diese Dinge lernen würde, hätte er, später, in einem anderen Unternehmen, bessere Chancen auf einen besseren Job.
Seit Monaten war das Thema ihr sporadischer Begleiter. Es drangen Fetzen eines vergangenen Gesprächs mit seinem Freund in sein Bewusstsein."Ich kann dort nichts mehr neues Lernen.", "mir ist es wichtig, am neuen Ort etwas neues zu lernen". Lernen, weiterentwicklen.  Lernen war gut, nicht? 
Sein diffuses Unbehagen wollte dennoch nicht weichen.
Sein Freund warf und traf. Er wiederholte und traf erneut. Er stand daneben und deutete ein Nicken an, seine Gedanken aber trieben ab. Etwas passte für ihn nicht zusammen. Er konnte es fühlen. Auch wenn ihm der Verstand  einzureden versuchte, dass alles Sinn machte, fühlte er es. In seinem Kopf, in seinen Schultern, die sich nach vorne wölbten, wenn er daran dachte. Darauf richtete er seine Aufmerksamkeit, nahm die Verhärtung war, das Unbehagen und der sanfte Druck an seinen Schläfen.
Dann, plötzlich, merkte er etwas. Es war nicht die Schlussfolgerung, die nicht stimmig war. Es war die Ausgangslage. Die Prämisse.
Warum sollte es denn so wichtig sein, dass der Nutzen zunimmt? Weshlab unterlag alles dem Optimierungszwang? Was soll ich denn später noch mehr wollen als jetzt?
Muss ich denn etwas lernen, damit ich später den Job kriege, bei dem ich das lernen kann, was ich brauche, damit ich den Job kriege, bei dem ich ... ?
Unverhofft spürte er einen Schlag, der Ball prallte an ihm ab. Sein Freund grinste. Er nahm den Ball an sich, doch seine Gedanken drehten sich in seinem Kopf, wie der Ball sich in seinen Händen drehte. Werfe ich den Ball, damit ich nochmals werfen kann oder weil ich es mag, den Ball zu werfen?
Dumme Frage, dachte er und warf.